Setzen wir uns höhere Ziele als jung, schön & dünn!

Der Start ins neue Jahr ist ein guter Zeitpunkt, um Ernährung und Feminismus zusammen zu bringen. Das platzierte Selbstoptimierungsziel „Abnehmen“ ist seit Jahrzehnten insbesondere an Frauen gerichtet und hat unter der Oberfläche vor allem eine Aussage: optimiere dich so, dass du der patriarchalen Definition von Schönheit eher entsprichst.



Ein strukturelles Problem

Dass vor allem Frauen unzufrieden mit ihrem Körper sind, ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Auch wenn du denkst, dass du das für dich tun willst, unterliegen wir dennoch unterbewusst gesellschaftlichen Zwängen, in die wir hineingeboren wurden. Schönheitsideale machen uns unzufrieden. Unzufriedenheit macht uns unsicher. Unsicherheit führt zu Unterwerfung. Erkennst du, wie wichtig dieses Machtmittel für den Erhalt unserer männerdominierten Welt ist?


Mit Diäten und dem Streben nach dem Normkörper werden wir von den wirklich wichtigen Dingen im Leben abgelenkt: Gleichberechtigung und Respekt zum Beispiel. Ein mangelernährtes Hirn, dessen verbleibende Kapazität genutzt wird, um gegen die Natur des eigenen Körpers anzukämpfen, ist nicht mal ansatzweise in der Lage, sich für diese wichtigen Themen einzusetzen. Die Mangelernährung geht zwangsläufig mit den meisten Diäten und Pseudodiäten wie Kalorienzählen oder Fasten einher.


Viele Diätindustrie-Werbeaussagen klingen zwar nett und nachvollziehbar, haben aber bei genauerer Betrachtung keine seriöse, wissenschaftliche Grundlage.


  • Dieses Detox/Cleanse-Produkt ist eigentlich nur die Millennial-Positionierung von Abführmittel. Wenn Darm, Leber, Lunge, Nieren und Haut intakt sind, hast du alles bei dir, was du für die Entgiftung brauchst.


  • Dein Darm braucht genauso viel Erholung vom Verdauen, wie deine Lunge Erholung vom Sauerstoff braucht. Wenn du fasten willst, weil du dich in den Feiertagen übergessen hast, endet das ziemlich sicher in einer neuerlichen Fressattacke. Hormone, die dich von dem Hungertrauma befreien wollen, sind immer stärker als Willenskraft.


  • Hinter „Lifestyle“ und „Wellness“ steckt eine geänderte Marketingstrategie für das bekannte Diät-Phänomen: 95 Prozent nehmen das abgenommene Gewicht wieder zu. Bis zu 66 Prozent übersteigen ihr Ausgangsgewicht anschließend langfristig (Tribole & Resch, 2020). Du gibst dir selbst die Schuld und bleibst damit zahlende Kundin einer milliardenschweren Industrie, die von Sexismus und Pseudowissenschaft geprägt ist. Denkst du nicht, dass wir bereits alle einen Normkörper hätten, wenn auch nur einer dieser Ernährungstrends funktioniert hätte?

Neue Ziele setzen

Nun, natürlich spricht nichts dagegen, sich neue Ziele zu setzen, um wachsen zu können. Ich verstehe die Magie um den symbolischen Neuanfang, wirklich. Aber wie wäre es, wenn wir Ziele definieren, von denen wir selbst und die nächste Generation an Frauen auch wirklich profitieren? Unser Körper ist nicht unsere Identität. Wie wäre es, wenn wir öfter mal das sagen, was wir denken? Wie wäre es, wenn wir uns als Ziel setzen, mit anderen Frauen zu kooperieren, anstatt sie als Konkurrenz zu sehen?


Und wenn du dir ein Ernährungsziel setzen willst: versuche doch mal, Dinge hinzuzufügen, anstatt immer mehr zu eliminieren. Ausreichend, regelmäßig und abwechslungsreich klingt langweilig, ist aber tatsächlich das, was gesunde Ernährung, eine gesunde Beziehung zum Essen und Respekt für deinen Körper ausmacht.

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