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PMOS: Das Symptom mit dem neuen Namen

Foto: ChatGPT


Jede achte Frau. So viele sind weltweit von der chronischen Hormon- und Stoffwechselerkrankung PMOS betroffen. Die Frauen kämpfen unter anderem mit unregelmäßigen Zyklen, Akne, Haarausfall, dunkler Behaarung und Gewichtszunahme. Und trotzdem haben viele Menschen – und selbst Ärzt:innen – noch nie davon gehört.


Expert:innen gehen davon aus, dass rund 70 % der Frauen, die betroffen sind, noch keine Diagnose erhalten haben. Ich gebe einen Überblick, was die Krankheit genau ist, wie sie durch Ernährung verbessert werden kann und wieso es mehr ist, als ein gynäkologisches Thema. Spannend: Der Name ist auch deshalb irreführend, weil auch Männer eine Form von PMOS bekommen können. Wie oft Männer davon betroffen sind, weiß man allerdings noch nicht.


Erst im Mai 2026 wurde die chronische Erkrankung offiziell umbenannt: von PCOS (Polycystic Ovary Syndrome) zu PMOS (Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom) und machte damit internationale Schlagzeilen. Der Grund für die Umbenennung ist mehr als Wortklauberei: PMOS betrifft oft weit mehr als nur den Zyklus oder die Fruchtbarkeit, was der alte Name suggerierte. Hinter der Erkrankung steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Hormonen, Stoffwechsel und psychischer Gesundheit – und genau das soll der neue Name endlich sichtbar machen.


Was im Körper passiert

Ein zentrales Merkmal von PMOS ist die Insulinresistenz. Das bedeutet: Die Insulinrezeptoren, die eigentlich dafür zuständig sind, Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen, funktionieren nicht mehr richtig. Der Körper reagiert darauf mit einer erhöhten Insulinproduktion und dieses überschüssige Insulin kann wiederum die Androgenproduktion in den Eierstöcken ankurbeln. Mehr männliche Hormone bedeuten oft: unregelmäßige Zyklen, Akne, verstärkte Körperbehaarung, Haarausfall.


Was viele nicht wissen:

Viele Betroffene haben gar keine Zysten an den Eierstöcken. Der alte Name war also nicht nur unvollständig, sondern schlicht irreführend. Sie haben oft trotzdem eine Insulinresistenz oder erhöhte Androgenspiegel, was die Diagnose zusätzlich erschwert. Wichtig zu wissen: PMOS trifft nicht nur Frauen mit Mehrgewicht. Auch schlanke Frauen können betroffen sein – man spricht dann von „Lean PMOS".


Die psychische Dimension der Krankheit ist dabei nicht zu unterschätzen. Sichtbare Symptome wie Akne, Gewichtszunahme oder Körperbehaarung können das Selbstwertgefühl, Partnerschaften und die soziale Teilhabe erheblich beeinflussen.


Frauen mit PMOS haben laut einer Studie im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism ein um 53 Prozent höheres Risiko, eine Essstörung zu entwickeln – besonders Binge-Eating-Störung oder Bulimia nervosa. Die internationale PMOS-Leitlinie empfiehlt daher ausdrücklich, das Risiko für gestörtes Essverhalten bei der Betreuung von Frauen mit PMOS immer mitzudenken – unabhängig vom Gewicht. Dazu kommt die langfristige gesundheitliche Dimension: ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Wie gravierend diese metabolischen Folgen sein können, zeigt eine aktuelle US-Studie aus 2025: Von den über 170 Millionen Betroffenen weltweit wurden in einer Untersuchung von mehr als 87.000 Frauen gravierende Unterschiede sichtbar:


Über 45 Prozent der Frauen mit PMOS hatten eine metabolische Diagnose wie Prädiabetes, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte, verglichen mit rund 25 Prozent der Frauen ohne PMOS. Auch bei der Familienplanung zeigt sich der Unterschied deutlich: Mehr als 16 Prozent der Betroffenen hatten Schwierigkeiten, schwanger zu werden – gegenüber unter 4 Prozent bei Frauen ohne die Erkrankung.

Eine Erkrankung, die sich verändert

Behandelt sollte PMOS nicht nur bei Frauen mit Kinderwunsch, wie es lange der Fall war. Als chronische Erkrankung begleitet PMOS viele Frauen über Jahrzehnte – von der Postpubertät über die Familienplanung bis hin zur Menopause. Die Prioritäten verschieben sich dabei: In jungen Jahren stehen oft Haut und Zyklus im Vordergrund, später Kinderwunsch oder metabolische Gesundheit. Das bedeutet auch: Eine einmalige Diagnose reicht nicht. Betroffene brauchen eine Begleitung, die sich mit ihrem Leben mitbewegt.

Genau das fehlt im Alltag noch oft. Viele Ärzt:innen verbinden PMOS primär mit Gynäkologie oder Kinderwunschmedizin – dabei ist die endokrinologisch-metabolische Komponente mindestens genauso wichtig. Obwohl PMOS so häufig ist, wird die Erkrankung in der medizinischen Ausbildung oft noch zu wenig interdisziplinär vermittelt, so Ärzt:innen. Viele Betroffene berichten, dass sie jahrelang von Arztpraxis zu Arztpraxis gegangen sind, bevor sie endlich eine Diagnose erhielten und dass sie diese selbst eingefordert haben und sich bei ihrer Behandlung auf andere Betroffene und häufig auch das Internet verlassen haben.


Was hilft

Und auch hier gibt es keine eine klare Antwort und Behandlungsform. Die Basis sind oft Lebensstilmaßnahmen: Bewegung, gezielter Muskelaufbau, eine insulinsensitive Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion können die Stoffwechsellage bei PMOS deutlich verbessern. Wichtig dabei: Der Fokus sollte nicht auf der Zahl auf der Waage liegen. Viele Betroffene landen durch pauschale Abnehmempfehlungen im Diätkreislauf – und Weight Cycling kann metabolische Risikofaktoren langfristig sogar verschlechtern. Dazu kommt: Durch Insulinresistenz und hormonelle Dysregulation ist eine langfristige Gewichtsreduktion ohne entsprechende medikamentöse Unterstützung für viele ohnehin kaum realistisch.


Ernährung spielt bei der Behandlung und Symptomlinderung eine besondere Rolle und hier kommt die Diätologie ins Spiel. Eine Ernährungsweise mit niedriger glykämischer Last, viel Ballaststoffen und ausreichend Protein kann Insulinspitzen reduzieren und den Hormonhaushalt stabilisieren. Die mediterrane Ernährung und die DASH-Diät sind laut aktueller Studienlage besonders gut belegt. Sie setzt auf viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und fettarme Milchprodukte und reduziert gleichzeitig Salz, rotes Fleisch und Zucker. Das soll die Blutzuckerwerte stabilisieren und entzündungshemmend wirken.


Je nach Symptomatik kommen zusätzlich hormonelle Therapien, antiandrogene Medikamente oder gezielte Behandlungen gegen Insulinresistenz in Frage. Das verschreibungspflichte Medikament Metformin wird nach wie vor häufig gegen Insulinresistenz verschrieben. Nicht alle vertragen es gut, auch hier können Ernährungsanpassungen wie beispielsweise eine proteinreiche Ernährung helfen. Auch die Nahrungsergänzungsmittel Myo-Inositol und Berberin können bei manchen Patientinnen Zyklus und Insulinsensitivität verbessern.


Seit einigen Jahren rücken auch GLP-1-Agonisten – besser bekannt als „Abnehmspritzen" wie Semaglutid oder Liraglutid – in den Fokus der PMOS-Forschung. Die Datenlage wird zunehmend solider: Eine Metaanalyse aus 2025 zeigte, dass Abnehmspritzen bei Frauen mit PMOS Körpergewicht und Insulinresistenz signifikant reduzieren konnten. Auch die internationale PMOS-Leitlinie von 2023 hält fest, dass GLP-1-Agonisten ergänzend zu Lebensstilmaßnahmen bei Frauen mit PMOS und erhöhtem Körpergewicht in Betracht gezogen werden können.


PMOS und die Hitze

Wer das Gefühl hat, dass sich die Symptome je nach Jahreszeit unterschiedlich anfühlen, liegt richtig. Viele Betroffene berichten, dass Hitzewellen ihre Beschwerden verschlimmern. Da erhöhte Androgenspiegel die Thermoregulation des Körpers beeinflussen können, reagieren manche Frauen mit PMOS empfindlicher auf hohe Außentemperaturen als andere. Hinzu kommt: Viele Betroffene haben dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel – ihr Körper befindet sich also in einer Art permanentem Bereitschaftszustand. Schläft man wegen der Hitze schlechter, kann das diesen Stresspegel weiter anheben und die Symptome verstärken. Besonders wichtig in heißen Phasen: ausreichend trinken, denn eine gute Flüssigkeitszufuhr kann helfen, manche Beschwerden abzumildern.


Unterstützung holen

PMOS ist komplex und die Ernährung bei PMOS auch. Der Weg zu einer Ernährungsweise, die den Hormonhaushalt unterstützt und gleichzeitig nicht zur täglichen Belastung wird, ist nicht immer einfach. Wenn du das Gefühl hast, dass du dabei Unterstützung brauchst, dann bin ich gerne für dich da. Vereinbare jetzt ein kostenloses Erstgespräch mit mir und wir schauen gemeinsam, was für dich und deinen Körper passt.

 

Quellen:

Teede HJ, et al. Recommendations from the 2023 international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. J Clin Endocrinol Metab. 2023;108(10):2447–2469. doi: 10.1210/clinem/dgad463. PMID: 37580314.


The Conversation. I'm a doctor who helped rename PCOS to PMOS – a 10-year process of listening to 14,000 patients and health professionals speak on how to improve care. https://theconversation.com/im-a-doctor-who-helped-rename-pcos-to-pmos-a-10-year-process-of-listening-to-14-000-patients-and-health-professionals-speak-on-how-to-improve-care-283240


Greenfield-Zemet M, et al. Metabolic and reproductive comorbidities in women with polycystic ovary syndrome. Front Endocrinol. 2025;16:1585628. doi: 10.3389/fendo.2025.1585628.



Mayo Clinic. Polycystic ovary syndrome (PCOS) – Symptoms and causes. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/pcos/symptoms-causes/syc-20353439


Escobar-Morreale HF. Polycystic ovary syndrome: definition, aetiology, diagnosis and treatment. Nat Rev Endocrinol. 2018;14(5):270–284. doi: 10.1038/nrendo.2018.24. PMID: 29569621. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6405408/


Cooney LG, Gyorfi K, Sanneh A, Bui LM, Mousa A, Tay CT, Teede H, Stener-Victorin E, Brennan L. Increased Prevalence of Binge Eating Disorder and Bulimia Nervosa in Women With Polycystic Ovary Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Clin Endocrinol Metab. 2024 Nov 18;109(12):3293–3305. doi: 10.1210/clinem/dgae462. PMID: 39115340.


Ding Y, et al. Efficacy and safety of GLP-1 receptor agonists on weight management and metabolic parameters in PCOS women: a meta-analysis of randomized controlled trials. Sci Rep. 2025. doi: 10.1038/s41598-025-99622-4.

 
 
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